Geschichte

Die Geschichte des Irish Wolfhound

aus verschiedenen Literaturquellen zusammengefasst von Bernhard Huwer

Bevor ich von meinen eigenen Erfahrungen erzähle, zunächst einmal ein kurzer geschichtlicher Abriss zum Thema: „Der Sanfte Riese“ ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Es soll nur ein kleiner Einblick in die Geschichte dieser alten Rasse sein: „Ich möchte Dir einen Rüden darreichen, den ich aus Irland bekam. Er hat riesige Gliedmassen und ist als Begleiter einem kampfbereiten Manne gleichzusetzen. Darüber hinaus hat er den Verstand eines Menschen, und er wird Deine Feinde anbellen, niemals aber Deine Freunde. Er wird es einem jeden Menschen am Gesicht ablesen, ob er gegen Dich Gutes oder Schlechtes im Schilde führt. Und er wird sein Leben für Dich lassen.“ (The Icelandic Saga of Nial, 970-1014 n. Chr.)
Schon diese Zeilen zeigen: Wer einen Irish Wolfhound kennenlernen durfte, ist ihm nicht selten verfallen. Seine unendliche Gutmütigkeit und liebevolle Anhänglichkeit überträgt sich auf seine Besitzer und seine Umgebung. Dass uns diese alte Rasse, deren Wurzeln nachgewiesen bis ins erste Jahrhundert zurückreichen, bis heute erhalten geblieben ist, kann man als Glücksfall bezeichnen.
Erste Hinweise, die Rückschlüsse auf den Irish Wolfhound erlauben könnten, existieren bereits vor dem Beginn unserer Zeitrechnung.
Die Geschichte des Irish Wolfhound gliedert sich in drei Abschnitte: Der erste Abschnitt umfasst den Zeitraum, von dem uns Daten von Schriftstellern früherer Jahrhunderte über die Rasse der irischen Hunde überliefert sind. Dort ist zum Teil in romantischen Erzählungen von Irish Dogs of Ireland, Big Dogs of Ireland, Greyhounds of Ireland und Wolfdogs of Ireland die Rede. Offenbar handelt es sich bei allen Erzählungen um dieselbe Rasse, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts fast ausgestorben war.
Die zweite Phase ist der außergewöhnlichen Leistung des Captain Graham vorbehalten, der es verstand, durch geschicktes Züchten die Rasse neu zu beleben. Schließlich kann man noch den Irish Wolfhound betrachten, so wie wir ihn heute kennen.
Bereits aus der Zeit bis 2500 v. Christus existieren in Ägypten Wandzeichnungen, die auf riesige windhundartige Hunde hinweisen. Hier dürften die Ursprünge der zahlreichen späteren Windhundrassen und damit auch des Irish Wolfhound liegen. Aus der Zeit zwischen 1400 und 1000 v. Chr. stammen die ersten bekannt gewordenen Zeichnungen aus Griechenland und Zypern, auf denen die großen Hunde der Kelten dargestellt wurden. Es wird angenommen, dass die Kelten ihre großen Windhunde – sprich die Vorfahren des heutigen IW – von denen Sagen und Legenden berichteten, schon vor Beginn unserer Zeitrechnung nach Irland, den nördlichsten Punkt der keltischen Wanderungen, brachten.

Bereits im 1. Jahrhundert nach Christus tauchen die ersten schriftlichen Erzählungen aus Irland vom riesigen Wolfhound auf und als die Römer im ersten Jahrhundert nach Christi England eroberten, waren diese Hunde hier bereits heimisch. Dass der Irish Wolfhound bereits im Jahr 391 n. Chr. weit über die Grenzen Irlands hinaus bekannt war, zeigt auch der Brief des römischen Konsuls Quintus Aurelius Symmachus an seinen in England stationierten Bruder Flavianus. Er bedankte sich bei ihm für die übersandten 7 Irish Hounds, die bei den Vorstellungen und Spielen in Rom für großes Aufsehen gesorgt hatten und schrieb:
„Ganz Rom sah sie mit Erstaunen und stellte sich vor, sie müssten in Eisenkäfigen hier hergebracht worden sein.“ Und das, wo die Römer von Gladiatorenkämpfen in der Arena gegen Bären und Löwen doch mehr als verwöhnt waren.

Der Irish Wolfhound war nach dem Jagdhund der am meisten geschätzte und begehrte Hund früherer Jahrhunderte. Die adlige Jagdgesellschaft in Irland schätzte ihn als „Vollstrecker“. Nachdem mit den Meuten das Großwild wie Bären, Hirsche, Wölfe, Wildsäue usw. gehetzt und gestellt wurde, kam der Einsatz des Wolfhound.
Bis dahin nur am Pferd gelaufen, stürzte er sich, auf seine gewaltige Kraft vertrauend, furchtlos in den Kampf mit dem oft wehrhaften Wild. Er entsprach ideal den Anforderungen eines riesigen, bärenstarken und schnellen Hundes, der für diese Aufgabe nötig war. Während jedoch die Meute der Jagdhunde stets in Zwingern untergebracht war, genoss der IW eine Sonderstellung.
Er war immer an der Seite des Adels in den Wohnräumen zu finden und hatte seinen Platz zum Beispiel bei seinem Herrn neben dem Kamin, sogar als Bettgenosse wird er in Überlieferungen geschildert. Die wohl berühmteste – und wahre – Geschichte über den Irish Wolfhound, ohne die jede geschichtliche Abhandlung unvollständig wäre, stammt aus dem 13. Jahrhundert:
Llewelyn, Prinz von North Wales, hatte ein Jagdgebiet in Beddgelert, wo er es liebte, begleitet von „Gelert, seinem treuen Hound“ zu jagen. Eines Tages war Gelert nicht aufzufinden, als der Prinz zur Jagd zog. Bei Llewelyn’s Rückkehr traf er den seine Arbeit verweigernden Jagdgefährten, mit Blut befleckt und beschmiert, der fröhlich seinen Herrn ansprang. Der alarmierte Prinz eilte, seinen Sohn zu suchen, sah das Bett des Kindes leer, Bettzeug und Boden mit Blut bedeckt. Der entsetzte Vater zog sein Schwert und stieß es in den blutigen Hund. Der Todesschrei des Hundes wurde durch den Ruf eines Kindes beantwortet. Llewelyn suchte weiter und fand seinen Sohn unverletzt, aber nahe dem Körper eines riesigen Wolfes liegen, den Gelert totgebissen hatte. Der von Selbstvorwürfen zermarterte Prinz soll danach nie mehr gelächelt haben.
Gelert’s Grab in North Wales ist durch einen Grabstein gekennzeichnet, auf dem geschrieben steht: „Er hat Gelert hier begraben. Dieser Ort wird für immer Beddgelert genannt.“

Im Gegensatz zu anderen großen Hunderassen und Kampfhunden wurde der Irish Wolfhound niemals gegen Menschen eingesetzt. Absolut irreführend ist übrigens die oft in deutschen Übersetzungen zu findende Schreibweise: „Irischer Wolfshund“. Der IW bekam seinen Namen nicht aufgrund irgendeiner Ähnlichkeit oder seines Abstammens vom Wolf, sondern Wolfhound stammt von seiner früheren Aufgabenstellung und heißt richtig übersetzt: „Wolfsjäger“ oder „Wolfshetzer“ vom englischen ‚hound‘ = jagen, hetzen.Durch das Aufkommen von Handfeuerwaffen und durch den damit verbundenen Rückgang der Bestände an Wölfen, Bären und Elchen verminderte sich auch der Gebrauch von irischen Hunden zu Jagdzwecken.
Aufgrund seiner imposanten Gestalt fand sich jetzt aber ein ganz neuer Verwendungszweck.
Der Irish Wolfhound wurde ein beliebter Exportschlager, mit dem aus Irland Könige und Zaren in ganz Europa beschenkt wurden. Er wurde zu einem ganz besonderen, einem privilegierten Hund. Ein Beleg dafür zeigt sich beispielsweise in einem offiziellen Bild von Königin Sissy, deren Irish Wolfhound ihr treu zu Füßen liegt (siehe Bildergalerie).

Allerdings führten im 16. Jahrhundert mehrere Faktoren dazu, dass die Zahl der IW’s deutlich zurückging. Zum einen war es der übermäßige Export an ausländische Fürstenhäuser und der Verlust des eigentlichen Verwendungszwecks für die Jagd, zum anderen war diese Riese für das aufsteigende Bürgertum zu teuer – und auch ein großer Teil des Adels, der zusehends verarmte, konnte sich einen solchen Hund nicht mehr leisten.
So entstand langsam ein ernsthafter Mangel an Zuchttieren. Deshalb wurde im Jahre 1652, zu Zeiten Oliver Cromwells, einem großen Freund der Rasse, vom irischen Parlament ein Dekret erlassen, das allen Personen bei Androhung der Todesstrafe untersagte, den Irish Wolfhound zu exportieren.
Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts lassen sich dann kaum noch Aufzeichnungen über diesen Hund finden. Es wurde sogar behauptet, er wäre ausgestorben.
In einem 1803 erschienenen Artikel eines Mitglieds der königlichen Akademie wird berichtet, dass der Irish Wolfhound noch durch einzelne Exemplare in Irland vertreten sei.
Um die Zeit von 1840 sorgten dann eine große Hungersnot und Armut in Irland dafür, dass die Rasse des Irish Wolfhounds kurz vor dem Aussterben stand.

1862 nahm sich Captain Graham des Irish Wolfhounds an und machte die Erhaltung und Wiederaufzucht dieser uralten Rasse zu seinem Lebenswerk.
Er suchte die wenigen in Irland bzw. Großbritannien verbliebenen Wolfhounds zusammen, kreuzte sie mit viel Geduld und Ausdauer mit Doggen und Deerhounds und schaffte es so innerhalb von 20 Jahren, wieder auf die alte Größe von fast einem Meter zurückzukommen. Erst viel später gelang es ihm, passend zur Größe auch eine Gleichförmigkeit des Typs zu erreichen. So kreierte und belebte er die Rasse neu zum Irish Wolfhound, wie wir ihn heute kennen.

Sein Zuchtziel, Größe gepaart mit Sanftmut, gilt auch noch für die heutige Zucht des IW, auch wenn zwischenzeitliche Auswüchse, die nur noch auf Höhe ausgerichtet waren, heute zum Glück im Hinblick auf die Gesundheit des IW nicht mehr so oft zu finden sind. Aufgrund seines äußerst sanften Wesens ist der IW heute endgültig vom Jagdhund zum Familienhund mit Familieneinbindung im Haus geworden, beliebt wegen seines anhänglichen Wesens bei gleichzeitiger Würde.
Aufgrund seiner schier unendlichen Schmerzgrenze eignet er sich auch wie kaum ein anderer Hund für Familien mit Kindern, die er aufgrund seiner Größe als kleine Welpen ansieht und entsprechend beschützt. Er reagiert auf seine Umwelt erhaben und souverän.
Von ihm ist auch kaum einmal ein Bellen zu hören. Allein schon aus seiner Vergangenheit als Hetzhund war Bellen noch nie seine Art, da damit früher das Wild vertrieben worden wäre.

Die Durchschnitts-Schulterhöhe bei Rüden beträgt 81-86 cm und bei Hündinnen 79-81 cm. Mit gelegentlich über 100 cm Schulterhöhe gilt der Irish Wolfhound als der größte Hund der Welt.

Dies und seine Souveränität und Würde machen den ‚Sanften Riesen‘ zum „König der Hunde“.