Standard

FCI – Standard Nr. 160 / 17. 06. 1998 / D

IRISCHER WOLFSHUND
(Irish Wolfhound)

ÜBERSETZUNG : Frau Helma Quaritsch-Fricke, Dr. J.-M. Paschoud und Frau R.Binder-Gresly.

URSPRUNG: Irland.

DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN ORIGINAL- STANDARDES: 20. 03. 1990.

VERWENDUNG: Obschon die Irischen Wolfshunde zur Jagd auf Rotwild, insbesondere auf Hirsche, bis ins 17. Jahrhundert verwendet wurden, haben sie sich auch zur Ausrottung der Wölfe, welche vor der Urbarmachung der Wälder grobe Teile Europas heimsuchten, als sehr nützlich erwiesen.

KLASSIFIKATION FCI: Gruppe 10 Windhunde.
Sektion 2 Rauhhaarige Windhunde.
Ohne Arbeitsprüfung.

KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS: Wir wissen, dab die auf dem Kontinent ansässigen Kelten einen Windhund hielten, wahrscheinlich ein Nachkomme des erstmals auf ägyptischen Wandmalereien dargestellten Windhundes. Wie die kontinentalen Volksstämme waren die Kelten in Irland an der Zucht grober Windhunde interessiert, aber wahrscheinlich waren ihre Hunde noch gröber als ihre Artgenossen älterer Varietät auf dem Festland. Diese grossen irischen Windhunde mögen glatt-oder rauhhaarig gewesen sein, aber mit der Zeit herrschten wahrscheinlich wegen der klimatischen Verhältnisse in Irland die rauhhaarigen Hunde vor. Die erste schriftlich belegte Aussage über diese Hunde geht auf einen römischen Konsul im Jahre 391 n.Chr. zurück, doch diese Windhunde waren schon im ersten Jahrhundert n.Chr. in Irland ansässig; damals änderte Setanta den Namen der Rasse in Cu-Chulain (Culan-Hund). Erwähnenswert ist, dab im 1. Jahrhundert n.Chr. die Uiseneach auf ihrer Flucht nach Schottland 150 solcher Hunde mitnahmen. Zweifellos sind die irischen Windhunde am Ursprung der schottischen Hirschhunde beteiligt.
Ein Paar irische Windhunde stellte vom Mittelalter bis ins 17. Jahrhundert ein von den Königshäusern in Europa, Skandinavien und anderswo hochgeschätztes Geschenk dar. So kamen diese Hunde nach England, Spanien, Frankreich, Schweden, Dänemark, Persien, Indien und Polen. Der Namenswechsel der Rasse in Wolfshund geht wahrscheinlich auf das 15. Jahrundert zurück, zu welcher Zeit jede Grafschaft verpflichtet war, 24 Wolfshunde zu halten, um die Herden der Bauern vor den Wölfen zu schützen. Als unter Cromwell (1652) die Ausfuhr der Wolfshunde verboten wurde, half diese Mabnahme eine Zeit lang, ihren Bestand zu erhalten, aber das zunehmende Verschwinden der Wölfe und die stete Nachfrage aus dem Ausland verminderte ihren Bestand fast bis zum Aussterben der Rasse gegen das Ende des 17. Jahrhunderts.
Wahrscheinlich hat die Romantik mit ihrem neuen nationalen Denken teilweise das Interesse an dieser Rasse wieder erweckt. Nur dank einer ziemlich häufigen Inzucht gelang es, aus dem irischen Wolfshund wieder eine gefestigte Rasse zu machen; schlubendlich wurde die Meinung gelten gelassen, die gefallenen Zuchtprodukte stellten eine rechtmässige Wiedergeburt der Rasse dar. Ein Klub für den Irischen Wolfshund wurde im Jahre 1885 gegründet, und der Irische Kennelklub richtete an seiner Ausstellung im Jahre 1879 eine spezielle Klasse für die Rasse ein. Heute geniesst der Irische Wolfshund wieder einen Teil des Ansehens, das er im Mittelalter genob, und erfreut sich eines sehr grossen Interesses als lebendes Wahrzeichen der irischen Kultur und als Erbgut der keltischen Vergangenheit. Der Irische Wolfshund, zu Hause ein Schäfchen, aber ein Löwe auf der Jagd, wird heute in einer Vielzahl von Ländern auberhalb Irlands gezüchtet.

ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD: Der Irish Wolfhound soll nicht ganz zo schwer oder massig sein wie die Deutsche Dogge, aber mehr als der Deerhound, dem er sonst im Gesamttyp ähneln soll. Er ist von beachtlicher Gröbe und imponierender Erscheinung, stark bemuskelt, kräftig und dennoch elegant gebaut, mit leichten und lebhaften Bewegungen; Kopf und Hals werden hoch getragen; die Rutenhaltung zeigt eine leichte Aufwärtsbiegung am Ende.

KOPF : Lang und horizontal, hoch getragen. Stirnknochen sehr leicht erhöht, mit einer sehr kleinen Vertiefung zwischen den Augen.
OBERKOPF:
Schädel: Nicht zu breit.
GESICHTSSCHÄDEL:
Fang: Lang und mäbig spitz.
Kiefer / Zähne: Scherengebib ideal, Zangenbib erlaubt.
Augen: Dunkel.
Ohren: Klein und greyhoundartig getragen.

HALS: Ziemlich lang, sehr kräftig und muskulös, gut gebogen, ohne Wamme oder lose Kehlhaut.

KÖRPER: Lang, gut aufgerippt.
Rücken: Eher lang als kurz.
Lenden: Gewölbt.
Kruppe: Grobe Breite zwischen den Hüfthöckern.
Brust: Sehr tief, mäßig breit. Vorbrust breit.
Rippen: Gut gewölbt.
Bauch: Gut aufgezogen.

RUTE: Lang, leicht gebogen, mäbig dick und gut behaart.

GLIEDMASSEN:
VORDERHAND: Vorderläufe insgesamt kräftig und ganz gerade.
Schultern: Gut bemuskelt, dem Brustkorb Breite gebend; schräg gelagert.
Ellenbogen: Gut unterstellt, weder ein- noch ausgedreht.
Unterarm: Gut bemuskelt.
HINTERHAND:
Oberschenkel: Lang und gut bemuskelt.
Knie: Gut gewinkelt.
Unterschenkel: Gut bemuskelt, lang und kräftig wie beim Greyhound.
Sprunggelenk: Gut tiefgestellt, weder ein- noch ausgedreht.
PFOTEN: Mäbig grob und rund, weder ein- noch ausgedreht. Zehen gut aufgeknöchelt und eng aneinanderliegend; Krallen sehr stark und gekrümmt.

GANGWERK: Bewegung frei und aktiv.

HAARKLEID
HAAR: Rauh und hart an Rumpf, Läufen und Kopf; besonders drahtig und lang über den Augen und am Unterkiefer.
FARBE: Die anerkannten Farben sind grau, gestromt, rot, schwarz, reinweib, rehbraun oder jede andere beim Deerhound vorkommende Farbe.

GRÖSSE UND GEWICHT:
Mindestgröbe: Rüden: 79 cm | Hündinnen: 71 cm.
Mindestgewicht: Rüden: 54,5 kg | Hündinnen: 40,5 kg.
Alle Hunde unter diesen Werten sind vom Wettbewerb ausgeschlossen. Bemerkenswerte Gröbe, imponierendes Auftreten (selbstsicher), einschlieblich grober Schulterhöhe und entsprechender Körperlänger, ist das anzustrebende Ziel, und es ist erwünscht, eine Rasse sicher zu festigen, bei der die Rüden durchschnittlich 81 bis 86 cm messen und die die notwendige Kraft, Aktivität, Mut und Ausgewo- genheit zeigt.

FEHLER: Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.
· Zu leichter oder zu schwerer Kopf.
· Zu hochgewölbter Stirnknochen.
· Nasenschwamm andersfarbig als schwarz.
· Lefzen von anderer Farbe als Schwarz.
· Sehr helle Augen. Augenlider rosa- oder leberfarben.
· Grosse und flach am Kopf herabhängende Ohren.
· Kurzer Hals; stark ausgebildete Wamme.
· Rumpf zu kurz.
· Rücken eingesunken (Sattelrücken) oder zu gerader Rücken.
· Brustkorb zu schmal oder zu breit.
· Rute zu stark geringelt.
· Verbogene Vorderläufe; überwinkelte Karpalgelenke.
· Schwache Hinterhand, insgesamt Mangel an Bemuskelung.
· Ein- oder ausgedrehte Pfoten.
· Gespreizte Pfoten.

N.B.: Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.